Warum fotografierst du eigentlich Hochzeiten ?

Warum fotografierst du eigentlich Hochzeiten ?

Diese Frage hab ich schon oft gehört – in verschiedenen Zusammenhängen. Zum einen meinten schon viele zu mir, dass man mit weniger Stunden Arbeit mehr Geld verdienen würde wenn man halt andere Themenbereiche der Fotografie abdeckt.

“Du könntest mehr Aufträge haben, wenn du so wie andere…..”

Und genau da ist schon die Krux – “SO wie Andere”.  Das widerstrebte mir schon von Beginn an. Denn wenn ich alles so wie “die Anderen” mache, warum sollte man mich eigentlich noch buchen ? Ich gehe doch in der Masse der Fotografen vollkommen unter. Also konnte ich garnicht anders und versuchen, so zu fotografieren wie ich das halt für richtig hielt. Offenbar kommt das ja gut an, sonst würde man wohl nicht buchen. Ein gesunder Hang zur Selbstüberschätzung schadet manchmal einfach nicht 😉

Ja, aber warum denn nun Hochzeiten ??

Ich wollte als Fotograf Menschen mit Ihren Bildern glücklich machen – nichts anderes. Die besonders beliebten Sparten wie Babyfotografie, Studioportraits, Familien – ja, das ist alle schön und gut – aber das wirkte mir immer ein bisschen zu “gestellt”, zu sehr “Ich MUSS jetzt ein Bild von meinem Baby-Bauch machen lassen, die Familie MUSS vor den schneeweißen Hintergrund im Studio gesetzt werden – das war nichts was mich begeisterte. Und mal ganz im Ernst – bei einem Business-Portrait wird der Chef bei der Übergabe der Bilder ( wenn sie denn überhaupt persönlich stattfindet ) wohl kaum ein Tränchen verdrücken 😀

 

“Moment, du hast doch auch schon solche Sachen gemacht”

Das ist richtig , aber das habe ich nie beworben. Das habe ich gemacht, weil man mich nett kontaktiert hat oder weil ich das selber auch so wollte, oder weil es Freunde von mir waren – das ist ein Unterschied. Aber ich finde, dass jeder das machen sollte, was auch seinen Fähigkeiten am besten bekommt. Ich glaube kaum, dass man Eric Clapton mal gesagt hat: ” Komm Erich – leg mal die Klampfe zur Seite und spiel noch dazu ein bisschen Klarinette und Waldhorn”

Wer meine Homepage kennt, der weiß, dass mein Portfolio übersichtlich ist. Ich wollte keine Verwirrung stiften, indem jemand mein Portfolio aufklappt und dann folgendes zu sehen bekommt: “Hochzeiten, Sportevents, Konzerte, Babybauch, Tiere, Business-Portraits, Architektur, Makro, Landschaft, Stillleben, Infrarot-Fotografie, Kindergarten-Fotos, …” Ihr wisst, was ich meine. Solche Fotografen gibt es in der Tat. Ich wollte das alles nicht. Ich möchte mich auf ein Kerngeschäft konzentrieren. Das schliesst nicht aus, dass ich auch mal eins der o.g. Themen fotografiere – aber das würde NIE meine Hauptarbeit sein, da ich mich dann selbst verkaufen würde.

“Ja aber – wenn du davon Leben willst, ist das doch reichlich überheblich, so viele Geld bringende Sachen auszuschließen”

Nö,  wieso ? Das Wort Leben wird hier in den falschen Kontext gesetzt. Ich haben schon immer gesagt – und das sag ich auch meinen Brautpaaren – dass ich nie das Ziel hatte mit der Fotografie reich zu werden. Ich wollte durch die Fotografie GLÜCKLICH werden. Ich möchte ein normales leben führen( so wie ich es aktuell führe als Vater in Elternzeit ) und das bedeutet nicht haufenweise Kohle zu machen. Darum ging es mir nie. Das Geld muss kommen, natürlich – jeder Unternehmer hat Ausgaben und deckt diese nicht mit der Leidenschaft im Zeigefinger ab. Am Ende des Tages muss sich das auch irgendwie rechnen. Ich glaube die wenigsten mittelständischen Unternehmen wollen durch Ihre Arbeit reich werden – sie wollen aber ein selbstbestimmtes Leben führen. Und das ist oft mehr wert – sehr viel mehr – als finanzieller Reichtum. Wer mir das nicht glaubt, dem kann ich leider nicht helfen.

“Was – ne Hochzeit für 1500 – 2500 Euro ?? SO VIEL ?? Leichtverdientes Geld – dat kann ich auch!”

Ja ?? Dann mach mal ! Was viele gerne verdrängen, ist der ungeheuere Zeitaufwand, den eine Hochzeit mit sich bringt. Ich habe es mal grob zusammengerechnet. Mit Kennenlernen, Emails schreiben, Verträge aufsetzen, Buchhaltung, die reinen Hochzeit , Bildbearbeitung ect….kommen LOCKER 50 Stunden zusammen. Von diesen 50 Stunden entfallen auf die Hochzeit mal eben 15 Stunden ( oft sogar mehr ) und dann sitzt man ( ich zumindest ) 15-20 Stunden am Tag danach am Rechner und bearbeitet Fotos. Das bedeutet, dass ich an einem Wochenende ( wenn ich es denn so mache ) so viel arbeite, wie andere Leute in einer ganzen Woche. So – und nun Hosen runter – wer tut sich das freiwillig an? Wer macht sowas, wenn er nicht dafür brennt ??

Wenn dein Verstand für den Tag der Hochzeit komplett einrastet – wenn du an nichts anderes mehr denken kannst. Das ist kein Beruf – das ist eine Berufung. Ich habe mich noch nie darüber beschwert, aber jeder mit ein bisschen Sachverstand wird aus o.g. Zahlen und den Arbeitsstunden ableiten können, wie “lukrativ” die Hochzeitsfotografie sein kann. Es ist tatsächlich so – man kann mit anderen Fotojobs mehr Geld verdienen und muss sich nicht so den Hintern aufreißen. Es kommt nicht darauf an, ob man ein paar Hochzeiten fotografiert um ein bisschen Geld für Equipment abzugreifen. Es kommt darauf an, ob der Fotograf, der für 400 Euro 15 Stunden fotografiert, ob der in 5 Jahren immer noch mitmischt oder ob er dann vor seiner negativen Bilanztabelle hockt und heult.

Wer mich ein bisschen bei Facebook & Co. verfolgt, hat wohl gemerkt, dass ich seit 2 1/2 Jahren mit den gleichen Kameras und mit zwei Objektiven fotografiere. Von Luxus keine Spur. Ich habe nie einen Sinn darin erkannt, warum ich auf einer Hochzeit mit nem Koffer voller Objektive aufkreuzen muss. Das macht jeder wie er will und nach seinem Geldbeutel.

So Jung, nun komm – warum denn jetzt Hochzeiten ??

Ganz einfach – es ist die ehrlichste Form der Fotografie. Hier tanzt keiner nach meinen Anweisungen vor der Kamera rum und versucht gut auszusehen. Hier sind Menschen versammelt, die einen schönen Tag verbringen wollen. Das ist genau das, was mir Spass macht und das ist es auch was die Menschen in meinen Bildern erkennen. Ich habe mir das so ausgesucht – man könnte sagen, dass die Hochzeitsfotografie mich gesucht und gefunden hat. All die tollen Menschen ( gestern erst wieder ) die ich dadurch kennenlerne – die privaten Geschichten die einen Menschen eben zu dem machen was er ist…sowas erfahre ich nicht bei einem 30 Minuten Hunde-Shooting. Vor allem bin ich “Ich” auf einer Hochzeit – ich habe gemerkt, dass ich mich nicht verstellen muss – ich kann meine ganze Leidenschaft in genau diesen Tag stecken. Deswegen sage ich den Brautpaaren immer, dass sie nicht primär einen Fotografen buchen oder Fotos kaufen, sie buchen MICH – mich und meine Hingabe und Leidenschaft . Dem, der damit nur Geld verdienen will, werden hier möglicherweise die Verkaufsargumente ausgehen. Ich setzte mich meist noch in der Nacht an die Fotos und jedes Brautpaar wird euch bestätigen, dass sie Ihre Fotos manchmal schon 1 Tag nach der Hochzeit fix und fertig vor sich liegen haben.

Ich bin einfach dankbar, dass man mich an so einem wichtigen Tag dabei haben möchte – und dafür gebe ich eine Menge zurück.

Und wenn ich dann Sonntags bei den Brautpaaren sitze und einigen von Ihnen mit Tränen in den Augen Ihr Buch durchblättern, dann weiß ich warum ich das alles mache:

DESWEGEN !

Kontaktiert mich und lernt mich kennen ! Ich freue mich auf euch !