Was bekommt das Brautpaar “NICHT” von mir

Was bekommt das Brautpaar “NICHT” von mir

Von Provokant bis peinlich 

Ich bekomme bei Vorgesprächen oft Bilder von anderen Fotografen gezeigt, mit der Bitte auch solche Fotos zu machen. Meist geht es da um “witzige” Hochzeitsfotos die den späteren Betrachter aber gut und gerne zum Fremdschämen nötigen. Das ist genau das Gegenteil von dem was ich will. Wenn ein Brautpaar zu mir kommt und zeigt mir ein Bild, auf dem ihre Beste Freundin ( die Braut ) eine Bratpfanne in der Hand hält und ihrem erstaunt drein blickenden Ehemann diese in heroischer Pose über den Kopf ziehen will, dann mag das im ersten Moment lustig erscheinen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass besonders bei der Hochzeitsfotografie viele Fotografen immer auf der Suche sind nach dem “noch ausgefalleneren” Bild. Manchmal provokant, manchmal peinlich. Bilder wie der ausgestreckte Ringfinger der Richtung Kamera zeigt ( anstelle des Mittelfingers ) waren eine zeitlang voll im Trend, weil man das bis dato nicht kannte. Aber: Eure Hochzeit ist für mich keine Karnevalsveranstaltung – ich möchte Bilder für euch machen, bei denen ihr in 10 Jahren nicht euch die Handfläche auf die Stirn schlagt und denkt  “Oh Mann, was haben wir denn da gemacht”. Jeder Trend geht einmal zu Ende und es ist viel einfacher für einen Fotografen sich dem Trend anzuschliessen um ein paar Lacher zu ernten als sich wirklich in das Brautpaar “hineinzufühlen” und sich darum zu bemühen Bilder für das Brautpaar zu machen, die deren Persönlichkeit widerspiegelt.

Die Kunst liegt darin eure Hochzeitsbilder ein Stück weit “zeitlos” zu machen. Ich weiß, dass ich dadurch mit Sicherheit Interessenten verliere, aber ich kann mich auch nicht selbst belügen. Meine Reportagen sollen euch so zeigen wie ihr seid – und wenn ich euch Dinge tun lasse, die schon 1000 Fotografen vor mir getan haben, dann seid ihr nicht mehr ihr selbst. Dann seid ihr eine Kopie einer Kopie einer Kopie.

Natürlich ist schon alles irgendwie mal fotografiert worden – auch ich habe viele Inspirationsquellen – aber eben nicht die, die ich oben erwähne. Bitte lasst euch das durch den Kopf gehen wenn ihr an meiner Arbeit interessiert seid. Es gibt einen Grund, warum ihr solche Bilder nicht bei mir findet. Dazu gehören auch die Bilder, bei dem das Brautpaar durch einen goldenen Bilderrahmen schaut oder mit Handschellen aneinander gekettet wird. Das Brautpaar schaut hinter dem Baum hervor und schaut sich überrascht an ( Der Klassiker ). Ganz beliebt ist auch das sog. Color-Key, bei dem das Bild entsättigt ( also in schwarz-weiß konvertiert wird ) und ein bestimmtes Element im Bild danach wieder farbig gemacht wird.

Fragt euch bitte einmal selber, wie oft ihr solche Bilder schon gesehen habt. Und was noch viel wichtiger ist: Lösen diese Art Bilder bei euch etwas aus, wenn im Freundeskreis jedes zweite Pärchen solche Bilder auch hat ?

Von Gruppenbildern und gequältem Lächeln

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Thema Gruppenbild. Ich fotografiere im Reportagenstil – bedeutet, dass ich die Momente weitestgehend passieren lasse. Natürlich ist ein Bild mit Mama, Papa, Oma und Opa selbstverständlich – auch ein Bild mit der ganzen Gesellschaft. Wenn ich aber 2 Stunden unbeweglich am Fleck stehen muss, um 100 Gäste in allen erdenklichen Konstellationen zu fotografieren, dann verpasse ich Augenblicke die an anderer Stelle geschehen und die für euch unersetzlich sind. Ich verstehe, dass manche Gäste weite Anreisen auf sich nehmen und dann auch einen “Beweis” möchten für Ihre Anwesenheit – tatsächlich werden aber wohl diese Fotos nie wieder das Tageslicht erblicken. Mittlerweile sind Smartphones in jeder Hosen und Handtasche und ich wage mal zu behaupten, dass für 10×15 cm Ausdrucke, ein Smartphone-Bild völlig ausreicht. Eine Idee wäre hier einfach mal einen Gast zu fragen, ob er ein paar Bilder machen möchte. Das erscheint jetzt abwegig – aber bei einer meiner letzten Hochzeiten standen neben mir zahlreiche Gäste die jedes Gruppenbild auch mit ihrem Smartphone geschossen haben und deren Bilder schon 1 Stunden danach bei Facebook online waren.

Dazu kommt, dass den meisten Gästen dieses Ritual auch nicht unbedingt gefällt. Sie stehen dort – 12:00 Mittags – die Sonne knallt im besten Falle noch von oben und jeder ist froh, wenn es vorbei ist. Und wenn sich gerade einer von der Gruppe entfernt, muss ich demjenigen hinterher rufen: “Mooooment – , wir sind noch nicht fertig. 5 Bilder müssen wir noch machen. Ich habe es schon öfter erlebt, dass die Gäste nicht besonders angetan waren von diesem Fotomarathon. Die Menschen waren unzufrieden und wenn sie später über Gruppenfotos reden, dann fällt wohlmöglich mein Name im Zusammenhang mit: “Viel zu viel”, “hat viel zu lang gedauert”, “komischer Fotograf”                                                                  Das alles möchte ich nicht und spiegelt in keinster Weise meine Arbeit wieder.

Abschliessende Worte

Mir ist völlig klar, dass diese Zeilen jetzt nicht jeden so erreichen, wie ich mir das vorstelle – und das ist auch völlig in Ordnung. Jedes Brautpaar hat da andere Wünsche und Geschmäcker und wir Drei müssen von Anfang an auf einer Wellenlänge liegen. Genau deswegen führe ich so lange Vorgespräche mit den Brautpaaren und bin auch sehr ehrlich und direkt bezüglich meiner Meinung zu o.g. Themen. Ich glaube fest daran, dass nur so – durch einen offene und ehrliche Kommunikation – eine gute Zusammenarbeit möglich ist. Ihr bezahlt mir viel Geld und dafür will ich auch für euch die bestmögliche  Arbeit abliefern. Das ist meine allerhöchste Priorität und ihr als Brautpaare habt es einfach verdient, dass man ehrlich mit euch ist.

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