Kreativität tanken

Kreativität tanken

„Das fördert deine Kreativität nach ner anstrengenden Hochzeitssaison“ meinte neulich ein Fotograf zu mir. Einfach mal raus und kein bewegten Menschen fotografieren. Die Ruhe des Augenblicks genießen und meinetwegen 10 Minuten eine Tannenallee anstarren, um auf die Sonne zu warten, die sich bald durch die Baumreihen ihren Weg in den Himmel bahnt. Kinder, das tut ja echt gut !!! 😀

„Das machst du sowieso nicht“ entgegnet hingegen meine Frau mit süffisantem Blick. Oh ja, sie kennt mich und weiß, dass ich nicht der Typ bin, der morgens um 6:00 in der Eiseskälte knapp 100 km ins Hohe Venn fährt. „Aber dusch´bloß nicht morgen früh – sonst wird der kleine wach“  Hmmm – ohne duschen morgens bin ich wie ein Motor ohne Benzin….was also tun ? Und so steh ich da frierend unter der Dusche und kann nur kurze Feuerstöße aus dem Duschkopf lassen, weil es sonst zu stark rauscht 😀

Und ich lasse wie ein Senior WDR4 laufen, weil da die Musik noch so herrlich unaufgeregt ist am frühen Morgen. Und gegen 8:00 komme ich dann am Parkplatz Baraque Michel an und mir schlagen 10 Grad Minus entgegen. Ja, ich bin verweichlicht, weil wir hier in unserer Region sowas wie Schnee und richtig fiese Kälte ja schon garnicht mehr kennen. Ich will ein kleines Video aufnehmen, aber mein iPhone verweigert bei -11 Grad den Dienst. Also stapfe ich durch den Schnee, versinke bis zu den Knien, weil ich den Pfad verlassen habe, fluche, warum ich das überhaupt gemacht habe und plötzlich wird die weite Ebene vor mir, die gerade noch in kühlem Blau lag  orange eingefärbt. DAS ist wahrlich ein magischer Moment. Durch die endlosen Baumreihen quetscht sich dieser grelle Feuerball und ich bleibe einfach nur noch da an Ort und Stelle stehen.

DAS hab ich schon länger so nicht mehr gesehen.

Jetzt weiß ich, warum ich das gemacht habe. Und mit einem Mal ist mein Kopf leer. Ich kann an nicht viel gedacht haben. Vielleicht daran, dass viele Menschen sich in so einem Moment fragen, warum wir der Welt eigentlich immer so kräftig in den Arsch treten. Auch mir fällt keine Antwort ein, aber man gerät immer in Nachdenklichkeit und Ehrfurcht, wenn man diese scheinbar unberührte Natur vor sich sieht.

Ein bisschen mehr Demut an diesem Morgen tut gut und da weiß ich auch warum ich früh morgens dorthin aufgebrochen bin.

Na – innerer Schweinehund….da guckste, wa ?? 🙂